Souveräne Videokonferenzen: Open Source statt US-Hyperscaler
Digitale Souveränität: Von der Absichtserklärung zur Beschaffungsfrage
- Digitale Souveränität
Eine Videokonferenz ist souverän, wenn eine Organisation die Software prüfen, selbst betreiben und bei Bedarf wechseln kann und wenn der Anbieter dem Recht unterliegt, das dort gilt, wo die Daten verarbeitet werden. Open-Source-Lösungen aus Europa erfüllen diese Bedingungen am ehesten. Sie verringern die Abhängigkeit von US-Hyperscalern, ohne beim Datenschutz Abstriche zu machen.
Digitale Souveränität steht seit Jahren auf der politischen Agenda in Bund, Ländern und der Europäischen Union. Gemeint ist die Fähigkeit, digitale Infrastruktur selbstbestimmt zu gestalten, zu betreiben und zu wechseln. Entschieden wird das selten in Strategiepapieren, sondern in der Beschaffung: Welche Software läuft in Behörden, Schulen und Unternehmen? Wem gehört der Code? Wo liegen die Daten?
Warum sind Videokonferenzen der Prüfstein für digitale Souveränität?
Weil kaum eine Anwendung so selbstverständlich geworden ist und zugleich so sensible Inhalte transportiert. Personalgespräche, Verwaltungsverfahren, Unterricht, Mandantengespräche: Alles läuft über dieselbe Technik. Wer hier die Kontrolle abgibt, tut es an einer Stelle, die jeden Tag genutzt wird.
Welche Risiken entstehen durch die Abhängigkeit von US-Hyperscalern?
Ein großer Teil der europäischen Cloud- und Kommunikationsinfrastruktur liegt bei wenigen US-Anbietern. Daraus folgen drei Risiken.
Wie belastbar ist der Datentransfer in die USA rechtlich?
Der Europäische Gerichtshof hat mit Safe Harbor (2015) und Privacy Shield (2020) bereits zwei Abkommen für Datenübermittlungen in die USA für ungültig erklärt. Das dritte, das EU-US Data Privacy Framework, hat das Gericht der EU im September 2025 bestätigt. Über das eingelegte Rechtsmittel entscheidet der EuGH. Für Verantwortliche bedeutet das Planungsunsicherheit: Ihre Datenschutzkonformität hängt an einem Rahmen, den sie nicht beeinflussen können und dessen beide Vorgänger gekippt wurden.
Was bedeutet der CLOUD Act für Daten in EU-Rechenzentren?
Der US CLOUD Act erlaubt US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen den Zugriff auf Daten, die ein US-Unternehmen kontrolliert, unabhängig vom Speicherort. Ein Rechenzentrum in der EU löst diesen Konflikt deshalb nicht zwingend, solange der Anbieter dem US-Recht unterliegt. Für Stellen mit besonderen Geheimhaltungs- und Vertraulichkeitspflichten ist das ein zentraler Prüfpunkt.
Warum sind Lock-in und fehlende Transparenz ein Problem?
Proprietäre Systeme erschweren Wechsel, Prüfung und Anpassung. Wer den Quellcode nicht einsehen kann, kann Sicherheitsaussagen nur glauben. Hinzu kommen Preismodelle, Produktentscheidungen und Lizenzbedingungen, die der Anbieter einseitig ändern kann.
Was souveräne Videokonferenzen auszeichnet
Aus diesen Risiken lassen sich Kriterien ableiten, an denen sich Lösungen messen lassen:
Offener Quellcode. Die Software ist prüfbar und der Betrieb nicht an einen einzelnen Anbieter gebunden. Ein Wechsel oder ein Eigenbetrieb bleibt möglich.
Europäische Rechtsräume und Rechenzentren. Betrieb ausschließlich in der EU beziehungsweise dem EWR und ein Anbieter, der europäischem Recht unterliegt.
Wirksame Verschlüsselung. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Basis offener Standards reduziert die Angriffsfläche und den Kreis derer, die Inhalte einsehen können.
Barrierefreiheit und Compliance. Öffentliche Stellen benötigen Lösungen, die Anforderungen wie BITV und WCAG 2.1 erfüllen und sich in Vergabe- und Datenschutzprozesse einfügen.
openVisavid als europäische Open-Source-Alternative
openVisavid ist eine Enterprise-Open-Source-Videokonferenzlösung, die diese Kriterien adressiert. Die openVisavid GmbH wurde am 1. Juli 2026 gegründet. Das Produkt was openVisavid zu Grunde liegt Visavid ist bereits seit 2020 im Einsatz, unter anderem bei Privatschulen, Kammern sowie Steuerberatern und Rechtsanwälten. Seit 2021 wird es im Rahmen der Bayern Cloud Schule an mehr als 6.200 Schulen genutzt, hinzu kommen der Einsatz zum Beispiel bei der Bundespolizei.
Ein Produkt allein macht niemanden souverän
Digitale Souveränität entsteht aus Architekturentscheidungen, Vergabepraxis, Betriebskompetenz und offenen Schnittstellen. Open-Source-Lösungen aus Europa sind dafür eine notwendige Grundlage, weil sie Transparenz, Wechselbarkeit und Kontrolle über den Betrieb ermöglichen. Sie ersetzen aber nicht die Arbeit, Anforderungen sauber zu definieren, Betriebsmodelle zu wählen und Sicherheitsnachweise einzufordern.
Videokonferenzen eignen sich hier als Einstieg, weil sie sensible Kommunikation betreffen und sich europäische Alternativen mit überschaubarem Aufwand einführen lassen. openVisavid bietet dafür eine quelloffene, in Europa betriebene Lösung, die in Verwaltung und Bildung bereits produktiv genutzt wird.
